Karl Lauterbach – Die Stimme der Vernunft

Prof. Dr. Karl Lauterbach (MdB) war am Mittwochabend online bei der SPD-Ostalb zu Gast. Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten dem Vortrag. „Mit Karl Lauterbach erleben wir eine Stimme der Vernunft in der Pandemie“, stellte SPD-Landtagskandidat Jakob Unrath den Gesundheitsexperten vor. In seiner bekannt sachlichen Form erläuterte Lauterbach die Entwicklung der Pandemie und antwortete auf zahlreich eingegangene Publikums-Fragen rund um Corona.

Wichtigste Botschaft: Wir müssen weiter vorsichtig sein. Weil die erfreulicherweise zurückgehenden Inzidenzzahlen trügerisch sind. „Die gefährlichen Kombinationen aus einer deutlich ansteckenderen britischen und einer deutlich weniger auf Antikörper reagierenden südafrikanischen Mutation bedrohen uns“, erläuterte Lauterbach. Er warnte vor einem „laufen lassen“ der Pandemie, wenn die Hochbetagten geimpft seien. Corona sei eine neuartige Erkrankung, die fast alle Organsysteme erfasse und gerade bei jüngeren zu schwerwiegenden Langzeitschäden führt. Unter andrem sei auch das Gehirn betroffen. „Die Long-Covid-Erkrankung ist bis jetzt nicht heilbar“, warnte Lauterbach. Deutlich kritisierte Prof. Lauterbach das Impftempo in der EU. „In den USA ist auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet 12 mal mehr Geld in die Impfstoffbeschaffung und den Aufbau von Produktionskapazitäten investiert worden“, zeigte er auch die Ursachen auf und forderte alle Anstrengungen, damit Europa aufholen könne.  Vor dem Hintergrund der Mutationen sei absehbar, dass es im Verlauf der Pandemie nötig sein werde Auffrischungen zu Impfen, die auch die neuen Mutationen erfassen. „Nach der Impfung ist vor der Impfung“, brachte er es auf den Punkt.

Lauterbach sprach sich für die Öffnung von Kitas und Grundschulen aus, weil dies für die Entwicklung der Kinder nötig sei. Er knüpfte dies aber an die Bedingungen Wechselunterricht, Antigentests auch für die Kinder und eine vorgezogene Impfung für die Erzieherinnen und Grundschullehrer. Dieses Konzept müsse aber vor der Öffnung stehen und nicht erst geplant werden, wenn geöffnet wird, mahnte Lauterbach an.

In der Fragerunde unterstützte Lauterbach auch Vorschläge von Bildungsexperten, das Schuljahr zu verlängern, um die Lernrückstände in den Schulen aufzuholen. Er sei überrascht, wie unterschiedlich die Qualität von Homeschooling von Land zu Land, von Ort zu Ort und von Schule zu Schule sei. „Lüften und Maske allein reichen nicht als Konzept für den Schulbetrieb“, sagte Lauterbach. In diesem Bereich sei viel Zeit verloren gegangen. Zu den Forderungen, einen langfristigen Ausstiegsplan vorzulegen: „Es ist menschlich verständlich. Aber eine Pandemie ist nicht planbar. Man darf dadurch keine falschen Erwartungen wecken, die man hinterher wieder enttäuschen muss“, appellierte Lauterbach.

Jakob Unrath im Gespräch mit Karl Lauterbach

By Februar 11, 2021.    Corona, Gesundheit, priorität-1