Andreas Stoch in Gmünd

Andreas Stoch bei Gmünder SPD. Was tun, damit die Schulen offenbleiben können?

Kein Kind darf zurückbleiben – Skepsis gegenüber Verlängerung der Weihnachtsferien

Die Gmünder SPD hatte am Dienstagabend zum Thema „Wie weiter mit der Pandemie und den Schulen“ in einem digitalen Format den ehemaligen Kultusminister Andreas Stoch zu Gast. Auch diese Veranstaltung stand ursprünglich als Präsenz-Veranstaltung im Terminkalender und musste wegen der Kontaktbeschränkungen ins Internet verlegt werden. Der Schüler Jorma Schöne und die Lehrerin Dorothee Henkel steuerten ihre praktischen Erfahrungen aus dem Schulalltag bei, der Landtagskandidat Jakob Unrath die Perspektive der Kommunen als Schulträger. Der Gmünder SPD-Ortsvereinsvorsitzende Tim-Luka Schwab führte gekonnt durch das ungewohnte Online-Format.

Jorma Schöne, der eine 12. Klasse besucht und im nächsten Jahr sein Abitur ablegen möchte, schilderte den Unterricht mit Maske und Lüften inzwischen als Routine, aber in den Bussen, im Sportunterricht und auf den Wegen seien Begegnungen unvermeidlich. Sein Vorschlag: Wechselweise Präsenz- und Digitalunterricht mit jeweils der halben Klasse, A- und B -Wochen. Kleine Präsenzgruppen würden auch intensiver lernen bei gleichzeitig viel mehr Möglichkeiten, tatsächlich die notwendigen Abstände einzuhalten. Besonderen Wert legt er auf die Ausgestaltung der Abschlussprüfungen, die Einschränkungen im Unterricht müssten berücksichtigt werden.

Die Lehrerin Dorothee Henkel beschrieb die jetzige Zeit als sehr belastend für Lehrkräfte. Wegen des sowieso bestehenden Lehrermangels bei jetzt vermehrtem Ausfall von Personal falle einfach viel Mehrarbeit an, auch weil viele Dinge zusätzlich erledigt werden müssten, die mit dem eigentlichen Unterricht wenig zu tun haben. Den ganzen Tag mit Maske zu sprechen, dann aber zum Teil auch Kindern gegenüber zu stehen, die ohne Maske am Unterricht teilnehmen, sei auf Dauer eine hohe Belastung.

Jakob Unrath berichtete, dass er sich als Gemeinderat in Mögglingen für die Anschaffung von Luftfiltern eingesetzt habe, um im Winter nicht ausschließlich auf extremes Lüften in den Klassenzimmern angewiesen zu sein. „Das darf nicht am Geld scheitern. Da muss das Land sich beteiligen“, sagte er. Mit den Luftfiltern habe man vor Ort die Möglichkeit, etwas Praktisches zu tun, um die Gefährdung abzusenken. Ein weiterer Punkt sei die Notwendigkeit, ganz schnell die digitale Infrastruktur auszubauen, um die virtuellen Lernanteile im Notfall reibungslos zu handhaben. „Für mich gehören die Lehrkräfte und Schüler, die derzeit unter Corona-Bedingungen den Unterricht und damit die Bildung aufrechterhalten zu den Helden der Pandemie“, zeigte er sich beeindruckt von der Initiative und dem Engagement an den Schulen.  

Andreas Stoch machte dann darauf aufmerksam, dass die SPD all die Fragen, wie man einen Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen aufrechterhalten könne, bereits im Juni in einem eigenen Vorschlag mit differenzierten Konzepten beschrieben habe. Aus dem Kultusministerium aber bis heute wenig Konkretes komme, außer der an sich richtigen Vorgabe, die Schulen offen zu halten. Die SPD habe ein Maßnahmenbündel vorgeschlagen, das vor allem auf differenzierte Lösungen setze.

Dazu gehören die Anschaffung von Luftfiltern, regelmäßige Testungen der Lehrkräfte, ein Aufstocken der Schulsozialarbeit, um die psychosozialen Belastungen der Pandemie besser aufzufangen. Dazu gehöre vor allem die Einstellung der 2000 arbeitslosen Lehrer im Lande, um ausreichend Personal für den Bildungsbetrieb vorzuhalten. Dazu gehört die Möglichkeit ab Klasse 8 in einem rollierenden System jeweils nur die Hälfte der Schüler vor Ort zu haben und so die Kontaktdichte zu reduzieren. Dem könnte auch das Anmieten von zusätzlichen Räumen dienen, in denen dann mit größeren Abständen unterrichtet werden könnte. Für die Betreuung des inzwischen enormen Aufwandes der Schulen für die IT-Anlagen müssten professionelle IT-Administratoren an den Schulen angestellt werden, damit dies nicht Lehrer auch noch „nebenbei“ machen müssen. Es müssten jetzt diejenigen Schüler gefördert werden, die unter der Krise besonders zu leiden habe. „Kein Kind darf zurückbleiben, gerade nicht in Zeiten von Corona. Und es muss Schluss sein mit der Politik des Kultusministeriums, dass die Schulen zuerst durch Pressemitteilungen und Radiointerviews von anstehenden Veränderungen erfahren“, forderte Andreas Stoch.

In der Diskussion über die Frage verlängerter Weihnachtsferien überwog dann die Skepsis. „Jeder fehlende Schultag führt zu noch mehr Stress und Belastung in den verbleibenden Schultagen“ meinten Jorma Schöne und Dorothee Henkel übereinstimmend. „Der Kultusministerin ging es bei diesem Vorschlag mal wieder um die populäre Schlagzeile, statt um die Sorgen der Schulen vor Ort,“ kommentierte Andreas Stoch diesen Vorschlag.

Abschließend war man sich einig, mit vereinten Kräften in den Wahlkampf zu ziehen. Das Land brauche dringend eine starke SPD, die sich um die Probleme der Menschen kümmere und die Missstände in den Schulen behebt.

Schwäbisch Gmünd